Barrierefreie Webseiten – Grundlagen

Christian Schrofler 12. Oktober 2015 0
Barrierefreie Webseiten – Grundlagen

Wer schon einmal einem blinden Menschen zugesehen hat, wie er mit Braille-Tastatur und Screenreader fast schon virtuos durchs Web surft, der zieht den Hut vor ihm. Natürlich ist es für ihn anstrengend und bei weitem nicht jenes Erlebnis, das ein Sehender dabei empfindet. Jedoch können wir Webseitenbetreiber und -designer viel dazu beitragen, diese Schwierigkeiten ein klein wenig erträglich zu gestalten: Indem wir barrierefreie Webseiten programmieren (lassen).

Darum geht es in dieser Blogserie, die sich in folgende fünf Teile gliedert:

  • Grundlagen
  • Prinzip 1 – Wahrnehmbar
  • Prinzip 2 – Bedienbar
  • Prinzip 3 – Verständlich
  • Prinzip 4 – Robust

Barrierefreie Webseiten – Grundlagen

Barrierefreiheit im Internet hängt nicht nur von barrierefreien Inhalten ab, sondern auch von barrierefreien Webbrowsern und anderen Werkzeugen zur Benutzung, z.B. Zeigestäbe, Kameras zur Erfassung der Mimik, u.s.w. Für den Bereich Web wurde ein umfangreicher Katalog aus 4 Prinzipien, 12 Richtlinien und 61 Kriterien geschaffen, mit dem Webseiten in drei Stufen A, AA und AAA getestet und verifiziert werden können. Dokumentiert ist dieses Regelwerk in den sogenannten WCAG 2.0 Richtlinien (Web Content Accessibility Guidelines) und wird vom W3C (World Wide Web Consortium) überwacht und stetig weiterentwickelt.

Die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) 2.0 definieren, wie man Webinhalte für Menschen mit Behinderungen barrierefreier gestalten kann. Unter Barrierefreiheit ist ein weites Feld an Behinderungen, einschließlich visueller, auditiver, motorischer, sprachlicher, kognitiver, Sprach-, Lern- und neurologischer Behinderungen zu verstehen. Vereinfacht gesagt bedeutet Barrierefreiheit:

  • Trennung von Inhalt, Steuerung und Darstellung
  • Inhalte und Interaktionen im Netz für (möglichst) alle Nutzergruppen und Endgeräte zugänglich zu machen
  • Gedankliche Erweiterung des Themas auf alle Arten digitaler Kommunikation (z.B. Social Media)

Keinesfalls ist unter Barrierefreiheit zu verstehen, dass eine Webseite auf allen Endgeräten im gleichen Design erscheinen muss.

Die Europanorm EN301549 (Accessibility requirements for public procurement of ICT products and services in Europe) regelt grundlegend diesen Kontext.

Barrierefreie Webseiten – Herangehensweise

Einzelpersonen und Organisationen, welche die Richtlinien der WCAG benutzen, sind u.a.: Webdesigner und -entwickler, Entscheidungsträger, Einkäufer, Lehrer, Dozenten, Schüler und Studenten. Um die unterschiedlichen Bedürfnissen dieser Zielgruppen zu bedienen, gibt es mehrere Ebenen, darunter globale Prinzipien, allgemeine Richtlinien, testbare Erfolgskriterien und eine reichhaltige Sammlung von Techniken und dokumentierten, verbreiteten Fehlern mit Beispielen, Links zu Ressourcen und Quelltext.

  • Prinzipien – An der Spitze stehen vier Prinzipien, welche die Grundlage der Barrierefreiheit im Web darstellen: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust.
  • Richtlinien – Unter den Prinzipien stehen die 12 Richtlinien. Sie geben die wesentlichen Ziele vor, auf die Autoren hinarbeiten sollten, um Inhalte für Benutzer mit verschiedenen Behinderungen barrierefreier zu gestalten.
  • Erfolgskriterien – Für jede Richtlinie werden testbare Erfolgskriterien zur Verfügung gestellt, damit es möglich ist, die WCAG 2.0 anzuwenden, wenn Anforderungen und Konformitätstests notwendig sind, wie zum Beispiel bei Vereinbarungen zu Design-Spezifikationen, Beschaffung, Verordnungen und Verträgen. Um den Bedürfnissen verschiedener Gruppen und unterschiedlicher Situationen gerecht zu werden, wurden drei Stufen der Konformität definiert: A (niedrigste), AA und AAA (höchste).

Quelle: w3.org

Im Teil 2 der Blogserie „Barrierefreie Webseiten“: Das Prinzip der Wahrnehmbarkeit

Abbildung: Finger tasten Blindenschrift
Shutterstock.com: Bildnummer: 102214600, Urheberrecht: Lisa S.

Noch keine Kommentare, sei jetzt der erste! ;)

Was denkst du?

Realizing-Ideas
Copyright 2015-2017 Realizing-Ideas e.U.