Barrierefreie Webseiten – Prinzip der Wahrnehmbarkeit

Christian Schrofler 21. November 2015 0
Barrierefreie Webseiten – Prinzip der Wahrnehmbarkeit

Nach den Grundlagen in Teil 1 dieser 5-teiligen Blogserie geht es diesmal um das 1.Prinzip:

Prinzip der Wahrnehmbarkeit

Dieses Gestaltungsprinzip besagt, dass Informationen und Bestandteile der Benutzerschnittstelle den Benutzern so präsentiert werden müssen, dass diese sie wahrnehmen können. Vereinfacht bedeutet das, dass Blinde in der Lage sein müssen, sich die komplette Seite vorlesen zu lassen und Gehörlose die Chance erhalten, Audioinhalte als Text wahrnehmen zu können. Auch das Einblenden der Gebärdensprache ist hier eine Möglichkeit.

Zur Umsetzung für den Programmierer einer Webseite gibt es vier Richtlinien und insgesamt 22 Kriterien.

Richtlinie 1.1 Textalternativen (Stufe A):
Stellen Sie Textalternativen für alle Nicht-Text-Inhalte zur Verfügung, so dass diese in andere vom Benutzer benötigte Formen geändert werden können, wie zum Beispiel Großschrift, Braille, Symbole oder einfachere Sprache

Diese Richtlinie soll sicherstellen, dass alle Nicht-Textinhalte auch als elektronischer Text (nicht als Bild) verfügbar sind. Elektronischer Text hat den einzigartigen Vorteil, dass er präsentations-neutral ist. Das heißt, er kann visuell, auditiv, taktil oder in jeder anderen Form umgewandelt werden und so die unterschiedlichsten Bedürfnisse erfüllen. Auch kann er leicht vergößert oder vorgelesen werden und erfüllt dadurch besonders die Anforderungen von sehbehinderten Personen.

Richtlinie 1.2 Zeitbasierte Medien (Stufen A, AA, AAA):
Stellen Sie Alternativen für zeitbasierte Medien zur Verfügung

Darunter ist zu verstehen, dass für zeitbasierte Medien – das sind vor allem Audio- bzw. Videodateien oder deren Kombination – geeignete Alternativen für seh- oder hörbehinderte Personen vorzubereiten sind. So hilft z.B. einer blinden Person ein Text, der die Handlungen eines „Videos ohne Tonspur“ beschreibt und den sie sich durch den Screenreader vorlesen lässt. Und eine hörbehinderte Person kann sich einen erklärenden Text als Ersatz für die Audiodatei parallel dazu ansehen.

Richtlinie 1.3 Anpassbar (Stufe A):
Erstellen Sie Inhalte, die auf verschiedene Arten dargestellt werden können (z.B. einfacheres Layout), ohne dass Informationen oder Struktur verloren gehen

Der Zweck dieser Richtlinie besteht darin, dass Informationen möglichst so angeboten werden, dass sie durch die Browser-Software erkannt und leicht in andere Formen umgewandelt werden können. So ist es z.B. wenig zielführend, einen Text als reine Grafik anzubieten. Diese kann weder verlustfrei skaliert noch durch einen Screenreader vorgelesen werden.

Richtlinie 1.4 Unterscheidbar (Stufen A, AA, AAA):
Machen Sie es Benutzern leichter, Inhalt zu sehen und zu hören einschließlich der Trennung von Vorder- und Hintergrund

Während manche Richtlinien darauf abzielen, Informationen in unterschiedlichen Formaten anzubieten, geht es hier um die Vordergrund/Hintergrund-Verarbeitung von Inhalten. Für visuelle Inhalte heißt das konkret, dass sich Vordergrund- und Hintergrundfarbe in einem optimalen Kontrast befinden sollen. Bei Audioinhalten sollen die wichtigen Vordergrundgeräusche lauter sein als die begleitenden Hintergrundgeräusche. Personen, die sowohl seh- als auch hörbehindert sind, stellen hier die größten Anforderungen an die Erfüllung dieser Richtlinie.

Quelle: w3.org

Im Teil 3 der Blogserie „Barrierefreie Webseiten“: Das Prinzip der Bedienbarkeit

Abbildung: Ältere Frau vor dem Computer
Shutterstock.com: Bildnummer: 77805184, Urheber: Voronin76

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